Forecast-Genauigkeit messen: MAPE, WAPE, Bias und Rolling Forecast

Welche Kennzahl sagt, wie gut eine Prognose ist? Warum der MAPE bei kleinen Werten täuscht, was der Bias verrät und wie ein Rolling Forecast die Messung verbessert.

Eine Prognose, deren Treffsicherheit niemand misst, ist eine Meinung mit Nachkommastellen. Die Messung ist nicht schwer, es gibt aber mehr als eine Kennzahl, und die bekannteste davon führt bei kleinen Werten zuverlässig in die Irre. Hier stehen die vier Zahlen, die man braucht, und wie man sie liest.

In drei Sätzen

  • 01Der MAPE ist verbreitet, wird aber durch einzelne kleine Istwerte verzerrt. Der WAPE ist robuster.
  • 02Der Bias zeigt, ob eine Prognose systematisch zu hoch oder zu niedrig liegt, das sieht man im MAPE nicht.
  • 03Für Prognosen mit Bandbreite zählt, wie oft der Istwert tatsächlich in der Bandbreite landet.

Die vier Kennzahlen

KennzahlFormel in WortenBeantwortet
MAPEDurchschnitt der prozentualen Abweichungen, je Periode vom Istwert ausWie weit liege ich im Mittel daneben, in Prozent?
WAPESumme der absoluten Abweichungen geteilt durch Summe der IstwerteWie groß ist der Fehler im Verhältnis zum Gesamtvolumen?
BiasSumme von Prognose minus Ist geteilt durch Summe der IstwerteSchätze ich systematisch zu hoch oder zu niedrig?
TrefferquoteAnteil der Perioden, in denen der Istwert in der Prognose-Bandbreite lagStimmt die angegebene Unsicherheit?

Ein Rechenbeispiel, das den Unterschied zeigt

Vier Wochen Leads einer Kampagne, Prognose gegen Ist. In der vierten Woche lief die Kampagne wegen eines Feiertags kaum.

WocheIstPrognoseAbweichungin % vom Ist
1100901010 %
2808556 %
3120110108 %
4102010100 %
Summe31030535

Der MAPE ist der Durchschnitt der letzten Spalte und liegt bei 31 Prozent. Der WAPE ist 35 geteilt durch 310, also 11 Prozent. Beide beschreiben dieselbe Prognose. Der MAPE wird von einer einzigen Woche mit zehn Leads dominiert, in der zehn Leads Abweichung sofort hundert Prozent sind. Wer Kampagnen mit schwankendem Volumen bewertet, sollte deshalb den WAPE nehmen.

Der Bias liegt bei minus 5 geteilt durch 310, also knapp minus 2 Prozent: Die Prognose liegt über die vier Wochen minimal zu niedrig, aber ohne erkennbare Schieflage. Ein Bias von plus 15 Prozent über mehrere Monate wäre dagegen ein Hinweis, dass jemand systematisch zu optimistisch plant, auch wenn der MAPE unauffällig bleibt.

Ein kleiner Fehler, der immer in dieselbe Richtung zeigt, ist gefährlicher als ein großer, der sich ausgleicht.

Die Bandbreite prüfen

Gute Prognosen geben nicht nur einen Wert, sondern ein Intervall an, etwa ein 95-Prozent-Band. Dann gibt es eine einfache und strenge Prüfung: Über viele Perioden sollten etwa 95 Prozent der Istwerte im Band liegen. Liegen nur 70 Prozent darin, ist das Modell zu selbstsicher. Liegen alle darin und das Band ist sehr breit, ist es zu vorsichtig, um nützlich zu sein. Mehr zur Bedeutung solcher Bänder im Beitrag zum Konfidenzintervall.

Wochen
Prognose mit Bandbreite und tatsächlichen Werten. Ein ehrliches 95-Prozent-Band wird in etwa jeder zwanzigsten Periode verlassen, nicht nie und nicht ständig.

Rolling Forecast statt starrem Jahresplan

Für die Genauigkeitsmessung hat das einen Vorteil: Jede Periode wird mehrfach prognostiziert, mit zwölf, sechs und einem Monat Vorlauf. So sieht man, wie schnell die Prognose besser wird, wenn der Termin näher rückt, und ab welchem Vorlauf sie für Budgetentscheidungen taugt.

Wie oft und womit vergleichen

  • Gegen eine naive Prognose. Ist das Modell besser als „nächste Woche wie letzte Woche" oder „wie im Vorjahr"? Wenn nicht, ist es überflüssig.
  • Nur mit Daten, die das Modell nicht kannte. Wer die Genauigkeit auf den Trainingsdaten misst, misst, wie gut sich das Modell erinnert.
  • Getrennt nach Vorlauf und Kampagne. Ein Durchschnitt über alles verdeckt, wo die Prognose versagt.

Welche Verfahren sich für Marketingprognosen eignen, steht im Beitrag zu den Forecast-Methoden, wie ein Modell mit Trend und Saison arbeitet, im Beitrag zum Kalman-Filter.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Mit dem WAPE, also der Summe der absoluten Abweichungen geteilt durch die Summe der Istwerte, und dem Bias für systematische Schieflagen. Bei Prognosen mit Bandbreite zusätzlich mit der Trefferquote, also dem Anteil der Istwerte innerhalb der Bandbreite.
Der MAPE mittelt die prozentualen Fehler jeder Periode, dadurch zählt eine Woche mit sehr kleinem Istwert genauso viel wie eine große und verzerrt das Ergebnis. Der WAPE setzt die Summe der Fehler ins Verhältnis zum Gesamtvolumen und ist deshalb robuster.
Die systematische Abweichung einer Prognose in eine Richtung, berechnet als Summe von Prognose minus Ist geteilt durch die Summe der Istwerte. Ein positiver Bias bedeutet dauerhaft zu hohe Prognosen, ein negativer dauerhaft zu niedrige.
Eine Prognose, die regelmäßig neu erstellt und um dieselbe Spanne nach vorn verlängert wird, etwa jeden Monat für die nächsten zwölf Monate. Anders als ein starrer Jahresplan behält sie immer denselben Blick nach vorn.

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