Monte-Carlo-Simulation einfach erklärt

Eine Planung tausendfach mit zufälligen Annahmen durchrechnen und sehen, wie wahrscheinlich ein schlechtes Ergebnis ist. Wie das funktioniert, am Beispiel eines Werbebudgets.

Eine Monte-Carlo-Simulation rechnet eine Planung nicht einmal durch, sondern tausende Male, jedes Mal mit leicht anderen, zufällig gezogenen Annahmen. Heraus kommt keine einzelne Zahl, sondern eine Verteilung möglicher Ergebnisse. Damit beantwortet sie die Frage, die jede Planung eigentlich stellen sollte: Wie wahrscheinlich ist es, dass es schiefgeht?

In drei Sätzen

  • 01Statt fester Annahmen gehen Bandbreiten in die Rechnung, aus denen tausendfach zufällig gezogen wird.
  • 02Das Ergebnis ist eine Verteilung, aus der sich pessimistische, mittlere und optimistische Werte ablesen lassen.
  • 03Der größte Nutzen liegt in der Wahrscheinlichkeit für ein schlechtes Ergebnis, die eine einfache Rechnung nie zeigt.

Die Definition

Ein Beispiel aus der Budgetplanung

Ein Unternehmen plant 100.000 Euro Werbebudget für das kommende Jahr. Die klassische Rechnung lautet: ROAS 3,2, Deckungsbeitragsquote 40 Prozent, also 320.000 Euro Umsatz, 128.000 Euro Deckungsbeitrag und nach Abzug des Budgets 28.000 Euro Überschuss. Eine Zahl, die sicherer klingt, als sie ist.

In der Simulation bekommt der ROAS eine Normalverteilung um 3,2 mit einer Streuung von 0,5, die Quote liegt irgendwo zwischen 36 und 44 Prozent. Nach 10.000 Durchläufen sieht das Ergebnis so aus:

Eigene Simulation mit 10.000 Durchläufen. Die Annahmen sind beispielhaft.
KennzahlErgebnis
Einfache Rechnung mit festen Werten28.000 €
Median der Simulationrund 27.300 €
Pessimistisch, 10 % der Fälle liegen darunterrund 300 €
Optimistisch, 10 % der Fälle liegen darüberrund 55.200 €
Wahrscheinlichkeit für einen Verlustknapp 10 %
0 €28.000 €Verlust
Verteilung des Überschusses aus 10.000 Durchläufen. Der Mittelwert liegt nahe an der einfachen Rechnung, aber etwa jeder zehnte Durchlauf endet im Minus.
Die einfache Rechnung sagt 28.000 Euro. Die Simulation sagt: meistens, aber in jedem zehnten Jahr ein Verlust.

So funktioniert die Simulation Schritt für Schritt

  • Modell aufschreiben: Überschuss = Budget × ROAS × Quote − Budget.
  • Unsichere Größen festlegen: Für jede eine Bandbreite oder Verteilung, am besten aus eigenen historischen Schwankungen.
  • Ziehen und rechnen: Für jeden Durchlauf je einen Zufallswert ziehen und das Ergebnis speichern.
  • Auswerten: Median, Perzentile und die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Schwellen ablesen.

In einer Tabellenkalkulation geht das mit Zufallsfunktionen und einer Datentabelle, in Python oder R mit wenigen Zeilen. Wichtig ist weniger das Werkzeug als die Frage, woher die Bandbreiten kommen. Aus dem Bauch geschätzte Streuungen erzeugen eine sehr präzise aussehende, aber beliebige Verteilung.

Wofür Monte Carlo im Marketing nützlich ist

  • Jahresplanung: Budgets mit Risikopuffer statt mit einer einzigen Zielzahl, siehe Marketing-Jahresbudget planen.
  • Szenarien vergleichen: Zwei Budgetverteilungen mit ähnlichem Erwartungswert, aber sehr unterschiedlichem Verlustrisiko.
  • Prognosen mit Unsicherheit: Aus einem Forecast mit Bandbreite eine Wahrscheinlichkeit für das Umsatzziel ableiten.
  • Bayesianische Modelle: Viele Verfahren ziehen intern ebenfalls Stichproben, um Unsicherheit abzubilden, siehe bayesianisch testen.

Die Grenze

Eine Simulation kann nur die Unsicherheit abbilden, die man ihr gibt. Hängen ROAS und Marge zusammen, etwa weil Rabattaktionen beides verändern, und werden sie unabhängig gezogen, wird das Risiko unterschätzt. Und ein falsches Modell wird durch 10.000 Durchläufe nicht richtiger, nur überzeugender.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Ein Verfahren, das eine Rechnung sehr oft mit zufällig gezogenen Eingangswerten wiederholt. Statt eines festen Ergebnisses entsteht eine Verteilung, aus der sich ablesen lässt, wie wahrscheinlich gute und schlechte Ausgänge sind.
Für einfache Planungsmodelle reichen meist einige tausend bis zehntausend Durchläufe, damit sich Median und Perzentile kaum noch ändern. Wer seltene Ereignisse wie ein Prozent Ausfallrisiko genau schätzen will, braucht mehr.
Für Budget- und Jahresplanungen mit Risikoabschätzung, zum Vergleich von Szenarien mit ähnlichem Erwartungswert, aber unterschiedlichem Risiko, und um aus Prognosen mit Bandbreite Wahrscheinlichkeiten für Umsatzziele abzuleiten.
Sie ist nur so gut wie die angenommenen Bandbreiten und Abhängigkeiten. Werden zusammenhängende Größen unabhängig gezogen oder Streuungen geraten, sieht das Ergebnis präzise aus, ist aber beliebig.

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