Statistische Signifikanz einfach erklärt

Signifikant heißt nicht groß und nicht wichtig. Was statistische Signifikanz bedeutet, warum die Schwelle bei 5 Prozent liegt, welcher Test wofür passt und wie falsche Signifikanzen entstehen.

Ein Ergebnis ist statistisch signifikant, wenn es so deutlich ausfällt, dass Zufall als Erklärung unwahrscheinlich ist. Mehr heißt es nicht. Signifikant heißt weder groß noch wichtig noch sicher. Wer das eine Wort sauber versteht, liest jeden A/B-Test und jede Kampagnenauswertung mit anderen Augen.

In drei Sätzen

  • 01Signifikant heißt: Der p-Wert liegt unter einer vorher festgelegten Schwelle, meist 5 Prozent.
  • 02Nicht signifikant heißt nicht, dass es keinen Effekt gibt, sondern dass die Daten ihn nicht belegen.
  • 03Viele Tests gleichzeitig und ständiges Nachsehen erzeugen signifikante Ergebnisse, die nur Zufall sind.

Die Definition

Ein Signifikanzniveau von 5 Prozent bedeutet also: Wenn eine Maßnahme in Wahrheit nichts bewirkt, würde ein Test in etwa einem von zwanzig Fällen trotzdem ein signifikantes Ergebnis zeigen. Das nimmt man bewusst in Kauf, um nicht jeden echten Effekt zu verpassen.

Warum ausgerechnet 5 Prozent?

Die Schwelle ist eine Konvention, keine Naturkonstante. Sie geht auf den Statistiker Ronald Fisher zurück, der in den 1920er Jahren eins zu zwanzig als praktische Grenze vorschlug. In der Medizin sind oft strengere Schwellen üblich, in schnellen Marketingtests manchmal lockerere. Entscheidend ist, dass die Schwelle vor dem Test feststeht und nicht danach so gewählt wird, dass das Ergebnis passt.

Die zwei Fehler, die ein Test machen kann

Die Wahrscheinlichkeit, einen vorhandenen Effekt zu finden, heißt Teststärke. Üblich ist ein Ziel von 80 Prozent.
In Wahrheit kein EffektIn Wahrheit ein Effekt
Test signifikantFehler 1. Art: falscher Alarm, Wahrscheinlichkeit Alpharichtig erkannt
Test nicht signifikantrichtig verworfenFehler 2. Art: Effekt übersehen

Der Fehler 2. Art ist im Marketing der häufigere. Ein Test mit zu wenig Besuchern hat kaum eine Chance, einen realistischen Effekt von ein paar Prozent nachzuweisen. Das Ergebnis heißt dann nicht signifikant, und die Variante wird verworfen, obwohl sie besser war. Wie viele Besucher ein Test braucht, steht im Beitrag zur Stichprobengröße.

2,5 %2,5 %z = −1,96z = 1,96kein Unterschiednicht signifikant
Unter der Annahme ohne Effekt verteilen sich Testergebnisse um null. Nur die äußersten 5 Prozent, je 2,5 Prozent auf beiden Seiten, gelten als signifikant.

Welcher Signifikanztest wofür?

FragePassender Test
Unterscheiden sich zwei Conversion-Raten?Test für zwei Anteile (z-Test) oder Chi-Quadrat-Test
Unterscheiden sich zwei Durchschnitte, etwa der Warenkorbwert?t-Test, bei ungleichen Streuungen nach Welch
Umsatz je Besucher, mit vielen Nullen und wenigen Großbestellungen?Mann-Whitney-U-Test oder Bootstrap
Mehr als zwei Varianten?Chi-Quadrat-Test oder Varianzanalyse, danach Korrektur für Mehrfachvergleiche
Dieselben Kunden vorher und nachher?gepaarter t-Test

Signifikanz berechnen

Für den häufigsten Fall, zwei Conversion-Raten, rechnet man den Abstand der beiden Raten geteilt durch seinen Standardfehler. Das Ergebnis heißt z. Liegt der Betrag von z über 1,96, ist der Unterschied auf dem 5-Prozent-Niveau signifikant. In Excel liefert die Formel =2*(1-NORM.S.VERT(ABS(z);WAHR)) den zugehörigen p-Wert. Ein vollständig durchgerechnetes Beispiel mit 10.000 Besuchern je Variante steht im Beitrag zum p-Wert.

Signifikant heißt, der Zufall ist als Erklärung unwahrscheinlich. Ob sich der Effekt lohnt, ist eine zweite Frage, die der Test nicht beantwortet.

Drei Wege zu falschen Signifikanzen

  • Viele Tests gleichzeitig. Wer zwanzig Varianten ohne echten Effekt testet, bekommt mit rund 64 Prozent Wahrscheinlichkeit mindestens ein signifikantes Ergebnis. Bei mehreren Vergleichen muss die Schwelle entsprechend strenger werden.
  • Ständiges Nachsehen. Einen Test täglich zu prüfen und bei der ersten Signifikanz zu stoppen, erhöht die Rate falscher Alarme deutlich. Laufzeit vorher festlegen oder Verfahren nutzen, die Zwischenblicke einplanen, etwa bayesianische Tests.
  • Nachträglich Segmente suchen. Wenn der Gesamttest nichts zeigt, findet sich fast immer ein Gerät, eine Region oder ein Wochentag mit Signifikanz. Solche Funde sind Hypothesen für den nächsten Test, keine Ergebnisse.

Besser als ein reines Ja oder Nein ist deshalb fast immer das Konfidenzintervall: Es zeigt, wie groß der Effekt vermutlich ist und wie unsicher diese Schätzung.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Ein Ergebnis ist so deutlich, dass Zufall als Erklärung unwahrscheinlich ist. Formal liegt der p-Wert unter dem vorher festgelegten Signifikanzniveau, meist 5 Prozent. Über die Größe oder Wichtigkeit des Effekts sagt das nichts.
Die Daten reichen nicht aus, um Zufall als Erklärung auszuschließen. Das heißt nicht, dass es keinen Effekt gibt. Häufig war der Test einfach zu klein, um einen realistischen Effekt nachzuweisen.
Aus Konvention. Der Statistiker Ronald Fisher schlug in den 1920er Jahren eins zu zwanzig als praktische Grenze vor. Andere Schwellen sind möglich und in manchen Fächern üblich, wichtig ist nur, sie vor dem Test festzulegen.
Für Conversion-Raten ein Test für zwei Anteile oder ein Chi-Quadrat-Test. Für Durchschnitte wie den Warenkorbwert ein t-Test nach Welch. Für stark schiefe Werte wie Umsatz je Besucher eignen sich der Mann-Whitney-U-Test oder ein Bootstrap.

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