Welche Kanäle fehlen dir? Kanal-Lücken gegen den Branchen-Mix finden

Die teuerste Entscheidung im Marketing ist oft die, die nie getroffen wurde. Wie du fehlende Kanäle im Vergleich zum Branchen-Mix findest, ohne den Durchschnitt zu kopieren.

Die meisten Budget-Diskussionen drehen sich um die Kanäle, die man schon hat. Dabei ist die teuerste Fehlentscheidung oft die, die nie getroffen wurde: ein Kanal, der in deiner Branche regelmäßig einen großen Teil des Mixes trägt und bei dir gar nicht vorkommt. Diese Lücken findet man nicht durch Nachdenken, sondern durch einen Vergleich. Wir zeigen, wie der aussieht und wo seine Grenzen liegen.

In drei Sätzen

  • 01Eine Kanal-Lücke ist ein Kanal, der in deiner Branche typisch groß ist und bei dir fast oder ganz fehlt.
  • 02Der Branchen-Mix ist ein Startwert für den Vergleich, kein Ziel, das du kopieren sollst.
  • 03Gemeldet wird erst eine deutliche Abweichung, nicht jede Unregelmäßigkeit im Mix.

Was eine Kanal-Lücke ist

Definition

Kanal-Lücke

Ein Werbekanal, der für deine Branche einen erheblichen Anteil am typischen Budget-Mix hat, in deinem eigenen Mix aber nur einen Bruchteil davon oder gar nichts ausmacht. Die Lücke ist ein Hinweis auf ungenutztes Potenzial, kein Nachweis, dass der Kanal bei dir funktioniert.

Wichtig ist der zweite Satz. Eine Lücke sagt, dass andere in deiner Lage dort Geld ausgeben und offenbar nicht damit aufhören. Ob es bei dir wirkt, weiß man erst nach einem Test. Das ist der Unterschied zwischen einem Hinweis und einem Befund, und wir vermischen die nicht.

Der Vergleich an einem Beispiel

Nimm ein B2B-Software-Unternehmen, das fast alles in die Google-Suche steckt und ein Viertel in Meta. Im typischen Mix dieser Branche trägt LinkedIn rund dreißig Prozent, dazu kommen YouTube und Display mit je etwa zehn. Der Vergleich sieht dann so aus:

typisch für B2B-Softwaredein MixGoogle Search35 %70 %LinkedIn30 %0 %LückeMeta10 %25 %YouTube10 %0 %LückeDisplay10 %0 %LückeBing5 %5 %Bing wird nicht geprüft: unter zehn Prozent erwarteter Anteil ist ein Kanal zu klein für eine Lücke.
Soll gegen Ist für B2B-Software. Drei Kanäle fallen als Lücke auf, LinkedIn mit dem größten Gewicht. Google Search ist mit dem Doppelten des typischen Anteils belegt.

Auffällig ist hier nicht nur, was fehlt, sondern auch die Kehrseite: siebzig Prozent in einem einzigen Kanal ist ein Klumpenrisiko. Wenn dort der Wettbewerb anzieht oder das Konto in die Sättigung läuft, gibt es keine Ausweichfläche. Die Lücke und die Konzentration sind zwei Seiten derselben Zahl.

Ein Kanal, in dem du siebzig Prozent deines Budgets hast, ist kein Schwerpunkt mehr, sondern eine Abhängigkeit.

Wann etwas als Lücke gemeldet wird

Eine Regel, die jede Abweichung meldet, ist nutzlos, weil kein Mix je genau dem Durchschnitt entspricht. Deshalb gilt bei uns eine doppelte Bedingung. Der Kanal muss im Branchen-Mix mindestens zehn Prozent tragen, sonst ist er zu klein, um eine Lücke zu sein. Und dein eigener Anteil muss unter dreißig Prozent des erwarteten Anteils liegen.

LinkedIn, erwarteter Anteil in der Branche: 30 %gilt als Lückeunter 9 %keine Meldungab 9 %, auch wenn es weit unter dem Branchenwert liegtSchwelle 9 %Branchenwert 30 %0 %10 %20 %30 %Die Regel sucht Abwesenheit, nicht Abweichung. Zwölf Prozent LinkedIn sind kein Befund,auch wenn die Branche im Schnitt bei dreißig liegt.
Die Schwelle für LinkedIn bei einem erwarteten Anteil von dreißig Prozent. Erst unter neun Prozent gilt es als Lücke. Der Branchen-Mix muss also nicht getroffen werden.

Damit ist ausdrücklich erlaubt, deutlich unter dem Branchen-Durchschnitt zu liegen, ohne dass etwas gemeldet wird. Gemeldet wird nur, was praktisch Abwesenheit ist.

Was der Branchen-Mix ist und was nicht

Der Referenz-Mix ist ein Startwert aus Erfahrungswerten für zwölf Branchen, von B2B-Software über Mode-Handel bis zu lokalen Dienstleistern. Er ist genau das, was in der Statistik ein Prior ist: die beste Vermutung, solange eigene Daten fehlen. Sobald du eigene Zahlen hast, zählen die mehr, und der Startwert verliert an Gewicht. Dieses Prinzip steckt überall in unseren Modellen, ausführlich erklärt in Sättigungskurven mit wenig Daten.

Der Branchen-Mix istDer Branchen-Mix ist nicht
ein Vergleichsmaßstab, um Abwesenheit zu erkenneneine Zielvorgabe, die du erreichen solltest
ein Startwert, solange eigene Daten fehlenein Ersatz für eigene Messung
nach Branche unterschiedennach deinem Geschäftsmodell oder deiner Marge unterschieden
eine Grundlage für die Frage, was du testen könntestein Nachweis, dass ein Kanal bei dir wirkt

Wann eine Lücke keine Lücke ist

Es gibt gute Gründe, einen typischen Kanal bewusst nicht zu nutzen. Ein Hersteller, dessen Kunden ausschließlich über Ausschreibungen kaufen, braucht kein TikTok. Ein Nischenanbieter, dessen Zielgruppe auf LinkedIn nicht erreichbar ist, hat dort keine Lücke, sondern eine Entscheidung. Genau deshalb meldet das Werkzeug einen Hinweis und keine Aufgabe. Die Frage, die dazugehört, lautet nicht ob der Kanal fehlt, sondern ob dein Grund dafür noch gilt.

Von der Lücke zur Entscheidung

Eine Lücke gehört nicht ins nächste Reporting, sondern in einen kleinen Test. Der Ablauf, der sich bewährt hat:

Erst Schritt vier entscheidet über dauerhaftes Budget. Die Lücke war nur der Anlass, den Test zu machen.
SchrittWas passiertWoran du das Ergebnis misst
1. Klein startenTestbudget, groß genug für belastbare Zahlen, klein genug um es zu verlierenErreichst du überhaupt genug Volumen für eine Aussage?
2. Sauber trennenTest so anlegen, dass der Effekt zuordenbar bleibtSiehe Holdout- und Geo-Test
3. Kausal prüfenNicht die zugeschriebenen Conversions ansehen, sondern den zusätzlichen EffektInkrementalität, nicht Plattform-Report
4. EinordnenGrenznutzen mit den bestehenden Kanälen vergleichenBringt der nächste Euro hier mehr als dort?

Wie man Schritt zwei und drei handwerklich sauber hinbekommt, steht in Holdout-Test und Geo-Test und in Causal-Impact-Experiment aufsetzen. Für Schritt vier ist der Grenznutzen der richtige Maßstab, nicht der ROAS, denn die Frage ist immer, wo der nächste Euro am meisten bringt. Die Mechanik dahinter erklärt Multi-Channel-Optimierung.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Nein. Der Branchen-Mix ist ein Vergleichsmaßstab, um Abwesenheit zu erkennen, und ein Startwert, solange eigene Daten fehlen. Er kennt weder dein Geschäftsmodell noch deine Marge. Sobald du eigene Messungen hast, zählen die mehr. Das Ziel ist der Mix, der bei dir den höchsten Grenznutzen liefert, nicht der Durchschnitt deiner Branche.
Wir melden eine Lücke, wenn zwei Bedingungen zusammenkommen: der Kanal trägt im Branchen-Mix mindestens zehn Prozent, und dein eigener Anteil liegt unter dreißig Prozent dieses erwarteten Anteils. Bei einem erwarteten Anteil von dreißig Prozent liegt die Schwelle also bei neun Prozent. Darüber wird nichts gemeldet, auch wenn du deutlich unter dem Branchenwert liegst.
Einen kleinen Test, keine Umschichtung. Starte mit einem Budget, das groß genug für belastbare Zahlen und klein genug zum Verlieren ist, lege den Test so an, dass der Effekt zuordenbar bleibt, und bewerte ihn über den zusätzlichen Effekt statt über die zugeschriebenen Conversions. Erst der Vergleich des Grenznutzens mit den bestehenden Kanälen entscheidet über dauerhaftes Budget.
Dann ist es keine Lücke, sondern eine Entscheidung, und das Werkzeug meldet deshalb einen Hinweis und keine Aufgabe. Sinnvoll ist trotzdem die Frage, ob der Grund noch gilt. Zielgruppen wandern, Plattformen verändern ihr Publikum, und eine Begründung von vor drei Jahren ist manchmal nur noch Gewohnheit.

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