Werbebudget berechnen, vier Methoden und was sie alle übersehen

Prozent vom Umsatz, was übrig bleibt, Wettbewerbsparität, Ziel und Aufgabe. Die vier Lehrbuchmethoden im Praxistest, und die fünfte, die tatsächlich nach der Wirkung fragt.

Wer nachschlägt, wie man ein Werbebudget berechnet, findet überall dieselben vier Methoden. Sie stehen seit Jahrzehnten in jedem Lehrbuch, und sie haben alle denselben Fehler: Keine einzige von ihnen schaut sich an, was die Werbung tatsächlich bewirkt. Wir gehen die vier durch, sagen wofür sie taugen, und zeigen die fünfte Methode, die die eigentliche Frage stellt.

In drei Sätzen

  • 01Die vier Lehrbuchmethoden leiten das Budget aus Umsatz, Gewinn, Wettbewerb oder Ziel ab.
  • 02Keine davon prüft, ob der letzte ausgegebene Euro überhaupt noch etwas gebracht hat.
  • 03Die brauchbare Frage lautet nicht wie viel insgesamt, sondern wo hört es auf sich zu lohnen.

Methode 1: Prozent vom Umsatz

Die mit Abstand häufigste. Man nimmt einen festen Anteil vom Umsatz des Vorjahres oder vom geplanten Umsatz. Der Vorteil ist, dass sie einfach ist und das Budget nie das Unternehmen gefährdet. Der Denkfehler steckt in der Richtung: Sie macht die Werbung zur Folge des Umsatzes, obwohl die Werbung den Umsatz erzeugen soll. Läuft ein Jahr schlecht, kürzt die Methode genau dann, wenn man mehr investieren müsste. Wie hoch die üblichen Prozentsätze liegen und was sie taugen, steht in Wie viel Prozent vom Umsatz gehören ins Marketing.

Methode 2: Prozent vom Gewinn oder was übrig bleibt

Auch bekannt als "all you can afford". Das Budget ist der Rest, der nach allen anderen Ausgaben noch da ist. Ehrlich betrachtet ist das keine Methode, sondern das Fehlen einer. Sie behandelt Werbung als Kostenstelle statt als Investition, und sie hat dieselbe falsche Richtung wie Methode 1, nur noch verschärft.

Methode 3: Wettbewerbsparität

Man schaut, was der Wettbewerb ausgibt, und legt sich daneben. Das klingt vernünftig und ist es manchmal auch, etwa wenn es um Sichtbarkeitsanteil in einem engen Markt geht. Es unterstellt aber, dass der Wettbewerb weiß, was er tut, und dass sein Geschäftsmodell, seine Marge und seine Kundenbindung deinen gleichen. Meistens stimmt keine dieser Annahmen.

Methode 4: Ziel und Aufgabe

Die beste der vier. Man definiert ein Ziel, leitet die nötigen Maßnahmen ab und rechnet deren Kosten zusammen. Sie zwingt wenigstens zum Nachdenken über Wirkung. Ihre Schwäche: Sie braucht eine Annahme darüber, wie viel Werbung nötig ist, um das Ziel zu erreichen, und genau diese Annahme wird meist geraten.

Die fünfte Methode: bis zum Grenznutzen rechnen

WirkungBudgetProzent vom UmsatzWettbewerbsparitätGrenznutzen-Punkthier fällt der nächste Euro unter die Schwelle
Die Wirkungskurve steigt zuerst steil und flacht dann ab. Die Lehrbuchmethoden setzen irgendwo eine senkrechte Linie. Die fünfte Methode sucht den Punkt, an dem die Kurve flacher wird als deine Rendite-Schwelle.

Statt zu fragen "wie viel insgesamt" fragt man "wo hört es auf, sich zu lohnen". Dafür braucht man für jeden Kanal eine Kurve, die zeigt, wie die Wirkung mit dem Einsatz wächst. Der Punkt, an dem der zusätzliche Ertrag eines weiteren Euros unter deine Schwelle fällt, ist die Obergrenze. Das ist der Grenznutzen, und er beantwortet die Frage, die alle vier Lehrbuchmethoden umgehen.

Ein Budget aus der Prozent-vom-Umsatz-Regel sagt dir, was du dir leisten kannst. Es sagt dir nicht, was sich lohnt. Das sind zwei verschiedene Zahlen.

Was das praktisch heißt

Du brauchst dafür kein Doktorat. Es reicht, wenn du für jeden Kanal ein paar Monate mit unterschiedlich hohem Einsatz hast und die zugehörigen Ergebnisse. Daraus lässt sich eine Kurve schätzen, auch mit wenig Historie, siehe Sättigungskurven mit wenig Daten. Den praktischen Ablauf für die Verteilung beschreibt Budget in 30 Minuten neu verteilen.

Wann die Lehrbuchmethoden trotzdem reichen

Wenn du gerade erst startest und noch gar keine Historie hast, ist ein Prozentsatz vom geplanten Umsatz eine völlig vernünftige erste Setzung. Sie ist nur als Startwert gedacht, nicht als Dauerlösung. Sobald die ersten Monate Daten da sind, solltest du auf die Wirkungsfrage umstellen. Was dabei rechnerisch passiert, steht in Die drei mathematischen Werkzeuge.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Klassisch über eine von vier Methoden: als Prozentsatz vom Umsatz, aus den verfügbaren Mitteln, orientiert am Wettbewerb, oder abgeleitet aus Zielen und den dafür nötigen Maßnahmen. Alle vier bestimmen eine Gesamtsumme, ohne zu prüfen, ab wann zusätzliches Budget nichts mehr bringt. Dafür braucht es eine Wirkungskurve je Kanal und die Frage nach dem Grenznutzen.
Von den vier klassischen ist "Ziel und Aufgabe" die beste, weil sie wenigstens von der gewünschten Wirkung her denkt. Ihre Schwäche bleibt, dass die Annahme über den nötigen Werbedruck meist geschätzt wird. Belastbar wird es erst, wenn diese Annahme durch eine aus Daten geschätzte Wirkungskurve ersetzt wird.
Die Denkrichtung. Sie macht die Werbung zur Folge des Umsatzes, obwohl die Werbung den Umsatz erzeugen soll. In schwachen Jahren kürzt sie automatisch genau dann, wenn zusätzlicher Werbedruck am nötigsten wäre, und in starken Jahren erhöht sie, auch wenn der Kanal längst gesättigt ist.
Nützlich wird es ab etwa einem Jahr Wochendaten, in denen der Einsatz je Kanal auch tatsächlich geschwankt hat. Diese Schwankung ist wichtiger als die reine Menge, denn ohne unterschiedliche Budgethöhen lässt sich der Verlauf der Kurve nicht schätzen. Mit weniger Daten geht es mit Vorannahmen, dann aber mit deutlich größerer Unsicherheit.

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