Ab welchem Werbebudget lohnt sich Marketing-Mix-Modeling?

Eine Faustregel mit Begründung: ab rund 5.000 Euro im Monat, zwei Kanälen und zwölf Monaten Historie. Dazu die Fälle, in denen wir trotz passendem Budget abraten.

Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch, meist in dieser Form: Wir geben im Monat X aus, lohnt sich so ein Modell für uns überhaupt? Die ehrliche Antwort hat zwei Teile. Es gibt eine Budgetschwelle, unter der die Rechnung nicht aufgeht, und es gibt eine Datenschwelle, die mit Geld nichts zu tun hat. Beide müssen erfüllt sein, sonst bekommst du ein Modell, das schöne Kurven zeichnet und trotzdem nichts entscheidet.

In drei Sätzen

  • 01Faustregel: ab rund 5.000 Euro Mediabudget im Monat, mindestens zwei ernsthaft bespielten Kanälen und zwölf Monaten Historie.
  • 02Der Grund ist keine Preispolitik, sondern Statistik: ohne Schwankung im Budget kann kein Modell einen Wirkungsbeitrag trennen.
  • 03Unter der Schwelle bringen sauberes Tracking und ein einzelner Abschalttest mehr als jede Modellierung.

Warum es überhaupt eine Schwelle gibt

Ein Marketing-Mix-Modell schätzt, wie viel Umsatz jeder Kanal beigetragen hat. Dafür braucht es Unterschiede, an denen es sich festhalten kann: Wochen mit mehr und Wochen mit weniger Budget, Phasen mit und ohne Kanal. Wer 800 Euro im Monat gleichmäßig auf Google Ads legt, liefert dem Modell eine fast waagerechte Linie. Daraus lässt sich kein Beitrag herauslesen, egal wie gut die Mathematik ist. Das ist derselbe Grund, aus dem eine Sättigungskurve mit wenig Daten im Wesentlichen die Annahme zurückgibt, mit der man sie gefüttert hat.

Definition

Die drei Schwellen im Einzelnen

Budget: ab etwa 5.000 Euro im Monat, weil darunter die möglichen Umschichtungen kleiner sind als die Unsicherheit der Schätzung. Kanäle: mindestens zwei, besser drei, die sich unterschiedlich verhalten. Ein einzelner Kanal ist eine Frage für einen Test, nicht für ein Modell. Historie: zwölf Monate auf Wochenbasis, also etwa 52 Beobachtungen. Bei starker Saisonalität eher 18 bis 24 Monate.

Was die Schwelle praktisch bedeutet

Grobe Einordnung nach Mediabudget. Die Empfehlung gilt für den Normalfall, nicht für jede Ausnahme.
Mediabudget im MonatWas sinnvoll istWarum
unter 2.000 EuroTracking sauber machen, Handwerk in den KontenDie größte Fehlerquelle ist hier nicht die Verteilung, sondern die Messung selbst.
2.000 bis 5.000 EuroAttributions-Check und ein Abschalttest pro QuartalEin einzelner sauberer Test beantwortet die eine offene Frage billiger als ein Modell.
5.000 bis 25.000 EuroModellgestützte Verteilung, monatlich nachjustiertHier liegt der Bereich, in dem wenige Prozent Umschichtung die Kosten der Messung deutlich übersteigen.
über 25.000 EuroModell plus regelmäßige InkrementalitätstestsAb dieser Größe rechtfertigt allein der Irrtumsspielraum den Aufwand für beides.

Die Rechnung, die du selbst machen kannst

Setz die Kosten der Messung ins Verhältnis zum Budget, das sie steuert. Bei 10.000 Euro Mediabudget im Monat sind 99 Euro rund ein Prozent. Die Frage lautet dann: Traue ich der Messung zu, die Verteilung um mehr als ein Prozent zu verbessern? Bei einem Portfolio aus drei Kanälen, von denen erfahrungsgemäß einer über und einer unter seinem Optimum liegt, ist die Antwort fast immer ja. Bei 1.500 Euro Budget wären dieselben 99 Euro über sechs Prozent, und die Verteilungsfrage selbst ist zu klein, um sechs Prozent wert zu sein.

Nutzen der UmschichtungKosten der Messungrund 5.000 Euro im MonatEuroMediabudget
Schematisch: Der Nutzen einer modellgestützten Verteilung wächst mit dem Budget, die Kosten der Messung bleiben flach. Links vom Schnittpunkt zahlst du drauf.
Nicht das Werkzeug muss sich lohnen, sondern die Entscheidung, die es ermöglicht.

Wann wir abraten, obwohl das Budget passt

Drei Fälle kommen regelmäßig vor. Erstens: Das Conversion-Tracking ist kaputt, niemand hat es gemerkt. Dann modellieren wir Rauschen, siehe Conversion-Tracking kaputt. Zweitens: Es gibt nur einen Kanal. Dann ist ein Holdout- oder Geo-Test die schnellere und härtere Antwort. Drittens: Das Budget war zwölf Monate lang konstant und soll es bleiben. Ohne Schwankung gibt es nichts zu schätzen, und ohne Bereitschaft umzuschichten gibt es nichts zu entscheiden.

Was du unterhalb der Schwelle tun solltest

Der erste Schritt kostet nichts und dauert eine Minute: Trag im Vergleich von Plattform-Anspruch und echtem Umsatz deine Zahlen ein. Wenn Google, Meta und Co. zusammen mehr Umsatz melden, als im Shop ankommt, ist die Reihenfolge klar: erst die Doppelzählung verstehen, dann das Tracking reparieren, dann über Modelle reden. Parallel gilt der langweilige, aber wirksame Weg: eine Kampagne für vier Wochen aus, Umsatz beobachten, Ergebnis notieren. Das ist Inkrementalität in ihrer einfachsten Form.

Und wenn wir knapp darunter liegen?

Dann entscheidet die Richtung. Wer bei 4.000 Euro liegt und im nächsten Jahr verdoppeln will, baut die Datengrundlage jetzt auf, weil Historie sich nicht nachträglich erzeugen lässt. Wer bei 4.000 Euro liegt und dort bleiben will, wartet. Für den Pilotbetrieb setzen wir die Grenze bei 5.000 Euro Mediabudget im Monat an, genau aus diesem Grund: darunter können wir nicht seriös versprechen, dass die Zahlen tragen.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Als Faustregel ab rund 5.000 Euro Mediabudget im Monat, verteilt auf mindestens zwei ernsthaft bespielte Kanäle, mit etwa zwölf Monaten Historie auf Wochenbasis. Der Grund ist statistisch: Erst ab dieser Größe sind die möglichen Umschichtungen größer als die Unsicherheit der Schätzung.
Zwei Dinge bringen dort mehr als jedes Modell. Erstens ein sauberes Conversion-Tracking, weil unterhalb dieser Größe die Messfehler meist größer sind als die Verteilungsfehler. Zweitens ein einfacher Abschalttest: eine Kampagne vier Wochen pausieren und den Umsatz beobachten. Das beantwortet die konkrete Frage direkt.
Zwölf Monate auf Wochenbasis, also etwa 52 Beobachtungen, sind die untere Grenze für stabile Kurven. Bei stark saisonalem Geschäft wie Mode oder Geschenkartikeln sind 18 bis 24 Monate nötig, damit das Modell Saison und Werbewirkung auseinanderhalten kann.
Nein. Bei nur einem Kanal gibt es nichts zu verteilen, und die Wirkungsfrage lässt sich mit einem Holdout- oder Geo-Test schneller und härter beantworten. Ein Modell lohnt sich erst, wenn mehrere Kanäle um dasselbe Budget konkurrieren und sich unterschiedlich verhalten.

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