Influencer-Marketing messen, ohne sich selbst zu belügen

Rabattcodes messen die Sparsamen, Verlinkungen den Sofortklick, Reichweite gar nichts. Warum der Kanal in klick-basierten Auswertungen systematisch zu schlecht wegkommt und was tatsächlich funktioniert.

Influencer-Marketing ist der Kanal, bei dem am meisten geschätzt und am wenigsten gemessen wird. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die üblichen Werkzeuge hier fast nichts sehen: Ein Großteil der Wirkung passiert in einer App, ohne Klick, ohne Cookie, oft ohne dass die Person überhaupt eine Verlinkung benutzt. Trotzdem lässt sich der Beitrag bewerten, nur eben anders.

In drei Sätzen

  • 01Rabattcodes und Verlinkungen erfassen nur einen kleinen, verzerrten Teil der Wirkung.
  • 02Reichweite und Interaktion sind Kontaktzahlen, keine Wirkungszahlen.
  • 03Der Kanal wird über Zeitverläufe bewertet, nicht über Einzelzuordnung.

Warum die üblichen Zahlen nicht reichen

Der Rabattcode. Er misst die Menschen, die den Code benutzt haben, und genau die hätten oft ohnehin gekauft. Gleichzeitig fehlt jeder, der die Empfehlung gesehen, aber später ohne Code direkt gekauft hat, und das ist meistens die größere Gruppe.

Die Verlinkung. Sie erfasst nur den Sofortklick. Wer das Video sieht, sich etwas merkt und drei Tage später deinen Namen eingibt, taucht dort nie auf. Er landet stattdessen in der Marken-Suche und macht sie besser aussehen, siehe Lohnen sich Anzeigen auf den eigenen Markennamen.

Reichweite und Interaktion. Sie sagen, wie viele Menschen erreicht wurden, nicht wie viele deshalb gekauft haben. Das ist derselbe Unterschied wie zwischen Kontaktpreis und Wirkung, siehe Marketing-Kennzahlen im Überblick.

Code und Linkspäter direktüber Marken-Suchegar nicht sichtbarwird gemessenwird nicht gemessenschematische Aufteilung der Wirkung einer Kooperation
Nur der linke Balken taucht in der Kanalzuordnung auf. Der Rest der Wirkung verteilt sich auf spätere Tage und auf andere Kanäle, vor allem die direkte Eingabe und die Marken-Suche.

Die drei Wege, die tatsächlich funktionieren

Der Zeitverlauf. Leg den Veröffentlichungszeitpunkt als Ereignis auf deine Umsatzkurve und schau, was in den Tagen danach passiert, im Gesamtumsatz und nicht in der Kanalzeile. Das ist der einfachste belastbare Zugang und braucht nichts außer Datum und Umsatzreihe, siehe Ein Causal-Impact-Experiment aufsetzen.

Die Marken-Nachfrage. Das Suchvolumen auf deinen Markennamen ist einer der ehrlichsten Indikatoren für Aufmerksamkeit, weil es nur steigt, wenn jemand aktiv nach dir sucht. Ein Ausschlag nach einer Veröffentlichung ist ein starkes Signal, siehe Brand-Equity messen.

Das Gesamtmodell. Wenn du regelmäßig mit Influencern arbeitest, gehört der Kanal als eigene Ausgabenreihe ins Modell, mit Nachwirkung und Sättigung. Dann bekommt er einen geschätzten Beitrag wie jeder andere Kanal, ohne Klicks und ohne Codes, siehe Marketing-Mix-Modeling und Welche Daten ein Modell braucht.

Wer Influencer nach eingelösten Rabattcodes bewertet, misst vor allem, wie sparsam seine Kunden sind.

Wie du eine einzelne Kooperation planst

Drei Dinge vorher festlegen. Erstens ein Beobachtungsfenster, das länger ist als der Sofort-Effekt, mindestens zwei Wochen. Zweitens eine Vergleichsgrundlage, also die Wochen davor und im Idealfall eine ähnliche Periode ohne Kooperation. Drittens die Frage, die du beantworten willst: Geht es um Abverkauf oder um Bekanntheit? Das sind verschiedene Ziele mit verschiedenen Zahlen, und wer beides gleichzeitig will, bekommt für keines eine klare Antwort.

Der Vergleich mit bezahlter Werbung

Für die Budget-Frage muss der Kanal am Ende in derselben Einheit bewertet werden wie alle anderen, also über den zusätzlichen Beitrag je eingesetztem Euro. Solange das nicht möglich ist, bleibt er ein Sonderposten, den man nach Gefühl bezahlt. Wie die gemeinsame Bewertung aussieht, steht in Multi-Channel-Optimierung und in Inkrementalität.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Nicht über Einzelzuordnung, sondern über Zeitverläufe. Der einfachste belastbare Weg ist, den Veröffentlichungszeitpunkt als Ereignis auf die eigene Umsatzkurve zu legen und den Gesamtumsatz in den Tagen danach zu betrachten, nicht die Kanalzeile. Ergänzend liefert das Suchvolumen auf den eigenen Markennamen ein gutes Signal für erzeugte Aufmerksamkeit.
Weil sie in beide Richtungen verzerren. Sie erfassen Menschen, die den Code genutzt haben und oft ohnehin gekauft hätten, und sie übersehen alle, die die Empfehlung gesehen und später ohne Code direkt gekauft haben. Die zweite Gruppe ist meist die größere, weshalb Codes den Beitrag systematisch unterschätzen.
In klick-basierten Auswertungen fast immer unterschätzt. Gemessen wird der Sofort-Effekt, nicht gemessen werden die verzögerte Wirkung und der Weg über andere Kanäle, vor allem direkte Eingabe und Marken-Suche. Da beide Lücken in dieselbe Richtung zeigen, fällt der ausgewiesene Beitrag zu niedrig aus.
Mindestens zwei Wochen, bei erklärungsbedürftigen Produkten länger. Ein großer Teil der Wirkung entsteht erst nach dem Veröffentlichungstag, weil Menschen sich etwas merken und später aktiv suchen. Wer nur den Tag der Veröffentlichung auswertet, misst den kleinsten Teil des Effekts.

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