Inhouse, Agentur oder Software: wer soll die Werbewirkung messen?

Drei Wege, den Wirkungsbeitrag zu ermitteln, nebeneinander gestellt: Zeit bis zur ersten Antwort, Kosten, Aktualisierung und der Interessenkonflikt, über den selten jemand spricht.

Irgendwann steht die Frage im Raum, wer eigentlich beurteilen soll, welcher Kanal wirkt. Drei Antworten sind üblich: das eigene Team, ein Dienstleister oder ein Werkzeug. Die meisten Vergleiche dazu enden bei den Kosten, dabei ist die wichtigere Frage eine andere. Wer misst, darf nicht derjenige sein, dessen Arbeit dabei bewertet wird.

In drei Sätzen

  • 01Der Interessenkonflikt entscheidet öfter als der Preis: Wer das Budget ausgibt, sollte nicht allein den eigenen Beitrag ausweisen.
  • 02Inhouse ist am teuersten und am nachhaltigsten, ein Projekt am schnellsten und am kürzesten haltbar, Software am günstigsten und am unflexibelsten.
  • 03In der Praxis gewinnt fast immer die Mischung: das Werkzeug rechnet laufend, der Mensch entscheidet und erklärt.

Die drei Wege nebeneinander

Grobe Einordnung. Die Zahlen sind Erfahrungswerte für mittelständische Werbebudgets, keine Angebote.
Eigenes TeamAgentur oder BeratungSoftware
Erste belastbare Antwortzwei bis vier Monatesechs bis zehn WochenTage bis wenige Wochen
Kosten im ersten Jahrhoch, überwiegend Personaleinmalig hoch, Aktualisierung neulaufend niedrig, planbar
Aktualisierungso oft ihr wolltneues Projekt, neues Angebotautomatisch, jeden Monat
Unabhängigkeit vom Mediaeinkaufhoch, wenn getrennt verantwortetgering, wenn dieselbe Agentur buchthoch, weil kein Budget verwaltet wird
Wissen bleibt im Hausvollständignur die Präsentationdie Methode bleibt im Werkzeug
Größter Fallstrickdas Projekt schläft ein, wenn die Person wechseltein Modell, das nach drei Monaten veraltet istErgebnisse, die niemand liest oder umsetzt
Definition

Der Interessenkonflikt, über den selten gesprochen wird

Wenn dieselbe Agentur das Budget bucht und anschließend ausweist, wie gut es gewirkt hat, bewertet sie ihre eigene Arbeit. Das muss niemand böswillig ausnutzen, es reicht die ganz normale Neigung, im Zweifel die freundlichere Zahl zu berichten. Deshalb trennen größere Werbetreibende Mediaeinkauf und Wirkungsmessung, so wie man Buchhaltung und Prüfung trennt.

Wann das eigene Team richtig ist

Wenn ihr bereits ein Datenteam habt, das SQL und Python beherrscht, wenn das Mediabudget siebenstellig ist und wenn die Messmethode selbst ein Wettbewerbsvorteil sein soll. Dann lohnt sich der Aufbau mit offenen Bibliotheken, die Wege dorthin stehen in MMM selbst bauen mit Robyn oder Meridian. Unterschätzt wird dabei regelmäßig nicht die Modellierung, sondern die Datenpflege: Aktionen, Feiertage, Lieferengpässe und Preisänderungen müssen jemanden haben, der sie einträgt. Ohne das driftet jedes Modell ab.

Wann ein Projekt richtig ist

Wenn eine einzelne große Entscheidung ansteht, die sich nicht wiederholt: ein Markteintritt, eine Budgetplanung für drei Jahre, eine Frage vor dem Vorstand. Ein Beratungsprojekt liefert dafür eine Tiefe, die kein Standardwerkzeug erreicht, inklusive Branchenvergleich und Interpretation. Was es nicht liefert, ist ein System, das im nächsten Quartal wieder rechnet. Preisspannen dazu in Was kostet Marketing-Mix-Modeling wirklich?.

Wann ein Werkzeug richtig ist

Wenn die Frage jeden Monat wiederkehrt und jedes Mal dieselbe ist: Wo ist das nächste Prozent Budget am besten aufgehoben? Wiederkehrende Fragen sind der einzige Fall, in dem sich Automatisierung wirklich auszahlt. Ein Werkzeug hat außerdem einen unterschätzten Vorteil, es vergisst nichts und bewertet jeden Monat nach denselben Regeln. Menschen tun das nicht, weder inhouse noch in der Agentur.

Kehrt die Frage jedenMonat wieder?neinjaProjekt oder BeratungGibt es ein Datenteam undsiebenstelliges Budget?neinjaSoftwareEigenbauVorgelagert gilt immer: ohne saubere Messung und ausreichend Historie hilft keiner der drei Wege.
Entscheidungsbaum. Die Fragen stehen bewusst in dieser Reihenfolge, weil die Datenlage jede Kostenfrage schlägt.
Wiederkehrende Fragen gehören in ein System, einmalige Fragen gehören in ein Projekt.

Wo Software die falsche Antwort ist

Drei Fälle, in denen wir selbst abraten. Erstens, wenn das Mediabudget unter der Schwelle liegt, an der sich Umschichtung überhaupt rechnet, siehe Ab welchem Werbebudget sich MMM lohnt. Zweitens, wenn niemand im Haus die Ergebnisse umsetzen darf, weil alle Budgetentscheidungen extern getroffen werden. Dann kauft ihr eine Erkenntnis ohne Adressat. Drittens, wenn die eigentliche Frage nicht Verteilung heißt, sondern Zielgruppe, Positionierung oder Sortiment. Das sind gute Fragen, nur keine, die ein Verteilungsmodell beantwortet.

Die Mischung, die in der Praxis funktioniert

Die Agentur bucht und optimiert, ein Werkzeug rechnet unabhängig davon den Wirkungsbeitrag, und eine Person im Haus verantwortet die Entscheidung. Die Agentur bekommt Zugriff auf dieselben Auswertungen, nicht als Kontrolle, sondern damit alle über dieselbe Zahl reden. Wie das mit mehreren Arbeitsbereichen aussieht, beschreibt Wie eine Agentur Vectalyze für mehrere Kunden führt. Wer die Rolle im eigenen Haus erst aufbauen muss, findet den Weg in Marketing-Controlling einführen.

Die Fragen für dein Auswahlgespräch

Egal für welchen Weg: Frag nach der Aktualisierung, nach dem Export der Ergebnisse und danach, was bei mehr Kanälen oder mehr Umsatz passiert. Die vollständige Prüfliste steht in Software zur Budget-Optimierung auswählen, neun Prüffragen, die Marktübersicht in MMM-Software im Vergleich.

Deine Frage, unsere Antwort

Wer bewertet bei euch die Wirkung des Budgets, das er selbst ausgibt?

Diesen Beitrag haben wir aus echten Projekten geschrieben. Deine konkrete Situation schauen wir uns gern persönlich an und antworten mit einer fundierten Einschätzung statt einer Standard-Floskel. Genau dafür gibt es uns.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Besser nicht allein. Wer das Budget bucht und anschließend den eigenen Beitrag ausweist, bewertet die eigene Arbeit. Das erfordert keine Absicht, um die Zahlen freundlicher wirken zu lassen. Üblich ist deshalb die Trennung: Die Agentur bucht und optimiert, die Wirkungsmessung läuft über ein unabhängiges Werkzeug oder eine eigene Rolle im Haus.
In fast allen Fällen Software, sobald man Personenaufwand ehrlich einrechnet. Ein eigener Aufbau kostet zwei bis vier Personenmonate bis zum ersten belastbaren Stand und danach laufende Pflege. Erst bei siebenstelligen Mediabudgets oder einem vorhandenen Datenteam dreht sich diese Rechnung.
Wenn eine einzelne große Entscheidung ansteht, die sich so nicht wiederholt, etwa ein Markteintritt oder eine mehrjährige Budgetplanung. Ein Projekt liefert dafür mehr Tiefe als ein Standardwerkzeug. Für monatlich wiederkehrende Verteilungsfragen ist es der teuerste Weg, weil jede Aktualisierung ein neues Projekt ist.
Das ist der Normalfall und meist die beste Lösung. Die Agentur behält Einkauf und Optimierung, das Werkzeug rechnet unabhängig den Wirkungsbeitrag, und eine Person im Haus verantwortet die Entscheidung. Wichtig ist, dass die Agentur dieselben Auswertungen sieht, damit alle Beteiligten über dieselbe Zahl sprechen.

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