Werbewirkung messen, von AIDA zur tatsächlichen Wirkung

AIDA beschreibt, wie Werbung wirkt, misst aber nicht, wie stark sie gewirkt hat. Was die klassischen Werbewirkungsmodelle leisten, wo sie aufhören und womit man Wirkung wirklich misst.

Wer nach Werbewirkung sucht, landet fast immer bei AIDA. Aufmerksamkeit, Interesse, Wunsch, Handlung, ein Stufenmodell von 1898. Es ist ein gutes Denkwerkzeug und eine schlechte Messmethode, und dieser Unterschied wird selten gemacht. Hier steht, was die klassischen Modelle leisten, wo sie aufhören, und womit man Werbewirkung tatsächlich misst.

In drei Sätzen

  • 01Die klassischen Modelle beschreiben, wie Werbung wirkt, nicht wie stark sie gewirkt hat.
  • 02Erinnerung und Sympathie sind Zwischengrößen, kein Nachweis für zusätzlichen Umsatz.
  • 03Gemessen wird Wirkung nur im Vergleich zu einem Verlauf ohne die Maßnahme.

Was die klassischen Modelle wirklich sagen

AIDA und seine Nachfolger, die Stufen- und die Stimulus-Response-Modelle, beschreiben einen Ablauf im Kopf des Betrachters. Sie sind Landkarten der Wirkungswege, und als solche nützlich: Sie erinnern daran, dass ein Kauf selten aus einem einzigen Kontakt entsteht, und dass frühe Stufen Voraussetzung für späte sind. Der ganze Weg mit seinen Stationen steht im Begriff Customer Journey.

Die drei üblichen Messwege und ihre Grenzen

Befragung. Erinnerung, Bekanntheit, Sympathie, klassisch über Panels oder Brand-Tracking erhoben. Das misst etwas Echtes, aber es misst eine Zwischengröße. Höhere Erinnerung ist kein Beleg für mehr Umsatz. Wie man Markenwirkung trotzdem an harte Zahlen koppelt, steht in Brand-Equity messen.

Beobachtung im Labor. Blickverlauf, Reaktionszeiten, Hautleitwert. Sehr präzise für die Frage, ob ein Motiv wahrgenommen wird, und ohne Aussage darüber, was im Markt passiert.

Klick-Zuordnung. Der moderne Standard, und der mit der größten stillen Schwäche. Er zeigt, welche Kontakte vor einem Kauf lagen, nicht welche ihn verursacht haben. Der Unterschied ist der zwischen Korrelation und Kausalität.

Die Frage, die Wirkung tatsächlich misst

Kampagnenstarttatsächlichohne KampagneWirkung
Wirkung ist der Abstand zwischen dem, was passiert ist, und dem, was ohne die Maßnahme passiert wäre. Ohne diesen zweiten Verlauf misst man nur den Verlauf selbst.

Sie lautet: Was wäre passiert, wenn wir es nicht getan hätten? Die Differenz zwischen dem tatsächlichen Verlauf und diesem gedachten Vergleichsverlauf ist die Wirkung. Der Fachbegriff dafür ist Inkrementalität, der Vergleichsverlauf heißt Kontrafaktum. Alles andere, Erinnerungswerte, Klicks, Reichweiten, sind Hilfsgrößen auf dem Weg dorthin.

Solange niemand sagen kann, was ohne die Kampagne passiert wäre, ist jede Wirkungszahl eine Erzählung mit Nachkommastellen.

Drei Wege zum Vergleichsverlauf

Kontrollgruppe. Ein Teil des Marktes bekommt die Werbung nicht. Sauber, aber nicht immer möglich, siehe A/B-Test gegen Causal Impact.

Gerechneter Vergleichsverlauf. Aus der Vorgeschichte und aus unbeeinflussten Vergleichsreihen wird geschätzt, wie es ohne die Maßnahme weitergegangen wäre. Der Ablauf steht in Ein Causal-Impact-Experiment aufsetzen.

Gesamtmodell. Statt einzelne Maßnahmen zu testen, wird der gesamte Verlauf in Grundlast und Kanalbeiträge zerlegt. Das ist Marketing-Mix-Modeling, und es funktioniert auch für Kanäle ohne Klick, also Plakat, Radio, Messe.

Was von AIDA bleibt

Als Bauplan für Kampagnen ist es weiter brauchbar. Es erinnert daran, dass ein Kanal, der nur die letzte Stufe bedient, von den früheren Stufen lebt, die jemand anders bezahlt hat. Genau dieser Effekt lässt Marken-Suchkampagnen so gut aussehen, obwohl sie oft nur Nachfrage einsammeln. Wie sich das in den Zahlen niederschlägt, steht in Warum Google und Meta zusammen mehr Umsatz melden.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Indem man den tatsächlichen Verlauf mit einem Verlauf ohne die Maßnahme vergleicht. Dieser Vergleichsverlauf entsteht entweder über eine echte Kontrollgruppe, über eine Schätzung aus Vorgeschichte und unbeeinflussten Vergleichsreihen, oder über ein Gesamtmodell, das den Umsatz in Grundlast und Kanalbeiträge zerlegt. Ohne einen solchen Vergleich misst man nur den Verlauf, nicht die Wirkung.
Als Denkwerkzeug ja, als Messmethode nie gewesen. AIDA beschreibt eine Abfolge im Kopf des Betrachters und erinnert daran, dass ein Kauf selten aus einem einzigen Kontakt entsteht. Es liefert aber keine Zahl dazu, wie viele Käufe eine Kampagne zusätzlich ausgelöst hat, und war dafür auch nie gedacht.
Es misst etwas Echtes, aber eine Zwischengröße. Höhere Bekanntheit oder Erinnerung ist kein Beleg für zusätzlichen Umsatz, weil beide Größen auch aus anderen Gründen steigen können. Brand-Tracking wird erst dann zum Nachweis, wenn die erhobenen Werte mit den Absatzverläufen zusammen ausgewertet werden.
Weil es zeigt, welche Kontakte vor einem Kauf lagen, nicht welche ihn verursacht haben. Wer ohnehin gekauft hätte und unterwegs eine Anzeige anklickt, erscheint darin als Werbeerfolg. Das ist der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität, und er lässt sich nur über einen Vergleich mit einem Verlauf ohne die Maßnahme auflösen.

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