Produkt-Portfolio steuern, BCG-Matrix und Lebenszyklus fürs Werbebudget

Der Ertragsunterschied zwischen Produkten ist oft größer als zwischen Kanälen. Wie BCG-Matrix und Lebenszyklus zusammen die Budget-Verteilung leiten, und wo ihre Grenze liegt.

Budget wird meistens zwischen Kanälen verteilt und zu selten zwischen Produkten. Das ist erstaunlich, denn der Unterschied im Ertrag ist zwischen Produkten oft größer als zwischen Kanälen. Ein Produkt am Ende seines Lebens frisst Werbebudget, das ein wachsendes Produkt vervielfachen würde. Zwei alte Werkzeuge helfen dabei, und sie sind zusammen besser als einzeln.

In drei Sätzen

  • 01Die BCG-Matrix sortiert Produkte nach Anteil und Wachstum in vier Felder mit vier Handlungsrichtungen.
  • 02Der Lebenszyklus sagt zusätzlich, in welche Richtung sich ein Produkt bewegt.
  • 03Beide sind Einordnungen, keine Beweise. Was ein Euro Werbung in einem Produkt bringt, sagt erst die Sättigungskurve.

Die vier Felder der BCG-Matrix

Definition

BCG-Matrix

Eine Einordnung von Produkten nach zwei Achsen: dem Anteil, den ein Produkt am Umsatz hat, und seinem Wachstum. Aus der Kombination ergeben sich vier Felder, die traditionell Star, Cash-Cow, Question Mark und Dog heißen, jedes mit einer eigenen Empfehlung für Investition.
wenig Anteil, Wachstumhoher Anteil, Wachstumwenig Anteil, flachhoher Anteil, flachWachstum, 4 Wochen gegen die 4 Wochen davorAnteil am Portfolio-Umsatzmittlerer Anteil5 %+30 %-15 %StarCash-CowQuestion MarkDogDie waagerechte Achse ist der Anteil am eigenen Portfolio, nicht der Marktanteil gegen Wettbewerber.
Die vier Felder mit je einem Beispielprodukt. Die senkrechte Linie ist der mittlere Umsatzanteil im Portfolio, die waagerechte liegt bei fünf Prozent Wachstum.
FeldMerkmalWas mit dem Budget passieren sollte
StarHoher Anteil und WachstumAusbauen, hier trägt zusätzliches Budget am weitesten
Cash-CowHoher Anteil, kein WachstumHalten und den Ertrag abschöpfen, nicht überinvestieren
Question MarkWachstum, aber kleiner AnteilKontrolliert testen, ob es skaliert
DogKleiner Anteil, kein WachstumAuslaufen lassen oder gezielt retten, aber nicht nebenher weiterfüttern

Die Einschränkung, die niemand gern nennt

Die klassische BCG-Matrix arbeitet auf der waagerechten Achse mit dem relativen Marktanteil, also deinem Anteil im Verhältnis zum größten Wettbewerber. Diese Zahl hat praktisch niemand verlässlich, weil sie fremde Umsätze voraussetzt. Wir verwenden deshalb den Anteil am eigenen Portfolio-Umsatz als Näherung, und das ist ausdrücklich nicht dasselbe.

Praktisch heißt das: die Matrix sagt zuverlässig etwas über die Bedeutung eines Produkts innerhalb deines Sortiments, aber nichts über deine Stellung im Markt. Ein Produkt kann bei dir eine Cash-Cow sein und im Markt eine Randerscheinung. Für Budget-Entscheidungen zwischen deinen eigenen Produkten reicht das, für eine Aussage über deine Marktposition nicht.

Wer den Portfolio-Anteil als Marktanteil verkauft, hat aus einer nützlichen Einordnung eine falsche Behauptung gemacht.

Der Lebenszyklus ergänzt die Richtung

Die Matrix ist eine Momentaufnahme. Sie sagt, wo ein Produkt steht, nicht wohin es geht. Genau das ergänzt der Produkt-Lebenszyklus, den wir aus dem Verlauf des Umsatzes ableiten: wir vergleichen die zweite Hälfte des Zeitraums mit der ersten und lesen daraus die Phase.

EinführungWachstumReifeAbschwungunter 8 Datenpunkteüber +15 %dazwischenunter -10 %ZeitUmsatz
Die vier Phasen und die Schwellen, an denen wir sie trennen. Ein Produkt mit weniger als acht Datenpunkten gilt immer als in der Einführung, weil der Verlauf noch nichts hergibt.
Die Schwellen sind absichtlich unsymmetrisch. Ein Rückgang von zehn Prozent ist ein deutlicheres Signal als ein Anstieg von zehn Prozent, weil er seltener zufällig entsteht.
PhaseWoran wir sie erkennenWas sie für das Budget bedeutet
EinführungWeniger als acht Datenpunkte vorhandenInvest-Bedarf hoch, Profitabilität noch unklar
WachstumZweite Hälfte mehr als 15 % über der erstenBudget zügig hochfahren, solange die Kurve das trägt
ReifeVerlauf innerhalb der Schwellen, also flachErtrag halten, nicht überinvestieren
AbschwungZweite Hälfte mehr als 10 % unter der erstenOptimieren oder auslaufen lassen

Warum die Kombination erst nützlich wird

Die beiden Einordnungen widersprechen sich manchmal, und genau dann sind sie wertvoll. Ein Produkt mit hohem Anteil und flachem Wachstum ist nach der Matrix eine Cash-Cow, also ein Fall für Halten. Steht es im Lebenszyklus aber im Abschwung, ist Halten die falsche Antwort, denn dann schrumpft die Basis gerade. Umgekehrt ist ein Question Mark im Wachstum ein Kandidat zum Skalieren, ein Question Mark in der Einführung dagegen einer für einen kleinen, sauberen Test.

Und dann kommt die eigentliche Frage

Beide Werkzeuge sortieren, keines rechnet. Sie sagen dir, welches Produkt Aufmerksamkeit verdient, aber nicht, wie viel Budget es verträgt. Diese Frage beantwortet nur die Sättigungskurve des jeweiligen Produkts, denn sie zeigt, ab welchem Punkt zusätzliches Budget weniger bringt. Der Vergleich über Produkte hinweg läuft dann über den Grenznutzen, genau wie bei Kanälen.

Dazu kommt der Preis. Ob ein Produkt mit einer Preissenkung mehr Umsatz macht oder weniger, hängt an seiner Preiselastizität, und die ist unabhängig von seinem Feld in der Matrix. Wie man sie aus eigenen Daten schätzt, steht in Preiselastizität berechnen.

Ein Fehler, der dieses Werkzeug regelmäßig ruiniert

Die Einordnung nach Umsatz ignoriert die Marge. Ein Produkt mit dreißig Prozent Portfolio-Anteil und fünf Prozent Marge trägt weniger zum Ergebnis bei als eines mit zehn Prozent Anteil und sechzig Prozent Marge. Wer die Matrix auf Umsatz baut und danach Budget verteilt, finanziert zuverlässig das falsche Produkt. Rechne deshalb vor jeder Budget-Entscheidung auf Deckungsbeitrag um, siehe Deckungsbeitrag berechnen und ROAS gegen POAS.

Deine Frage, unsere Antwort

Verteilst du Budget zwischen Kanälen und nicht zwischen Produkten?

Diesen Beitrag haben wir aus echten Projekten geschrieben. Deine konkrete Situation schauen wir uns gern persönlich an und antworten mit einer fundierten Einschätzung statt einer Standard-Floskel. Genau dafür gibt es uns.

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Häufige Fragen zum Thema

Die wichtigsten Nachfragen, die uns nach diesem Beitrag erreichen.

Sie sortiert Produkte nach Anteil und Wachstum in vier Felder und gibt jedem eine Richtung: Stars ausbauen, Cash-Cows halten ohne zu überinvestieren, Question Marks kontrolliert testen, Dogs auslaufen lassen oder gezielt retten. Sie sagt, welches Produkt Aufmerksamkeit verdient, nicht wie viel Budget es verträgt.
Die klassische Matrix nutzt den relativen Marktanteil gegen den größten Wettbewerber, und diese Zahl setzt fremde Umsätze voraus, die kaum jemand verlässlich hat. Als Näherung verwenden wir den Anteil am eigenen Portfolio-Umsatz. Für Entscheidungen zwischen deinen Produkten reicht das, für eine Aussage über deine Marktstellung nicht.
Aus dem Umsatzverlauf: die zweite Hälfte des Zeitraums wird mit der ersten verglichen. Mehr als fünfzehn Prozent darüber gilt als Wachstum, mehr als zehn Prozent darunter als Abschwung, alles dazwischen als Reife. Produkte mit weniger als acht Datenpunkten gelten als in der Einführung, weil der Verlauf noch keine Aussage trägt.
Nein, und zwar aus zwei Gründen. Erstens sortiert sie nur, sie rechnet nicht: wie viel Budget ein Produkt verträgt, sagt erst seine Sättigungskurve, verglichen über den Grenznutzen. Zweitens ignoriert die Einordnung nach Umsatz die Marge. Rechne vor jeder Budget-Entscheidung auf Deckungsbeitrag um, sonst finanzierst du das falsche Produkt.

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